19 Meiner geliebten Vaterstadt

Lübeck, die Stadt der Stiftungen - Lübeck war und ist eine Stadt des Bürgersinns und der Wohltäter, denen ihre Heimatstadt und die Men­schen, die darin leben, am Herzen liegen. Sie engagieren sich und übernehmen Verantwor­tung, viele zu Lebzeiten und einige auch über ihren Tod hinaus. Heute gibt es in Lübeck mehr als 100 Stiftungen, die sich sozialen und kul­turellen Projekten widmen. Die Tradition des Stiftungswesens reicht bis ins Mittelalter zurück, die fromme Tat – „pia causa“ – sollte Gott gnädig stimmen und dem Stifter einen Platz im Paradies sichern.

Zeitraum: seit 1263
Wahrheitsgehalt:
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Zeitzeugen: Heiligen-Geist-Hospital, Stiftshöfe, Schiffergesellschaft

Arme, Kranke und Waisenkinder – im Mittelalter gab es genug Bedürftige, die auf die Hilfe und Almosen betuchter Lübecker angewiesen waren. Das Elend war allgegenwärtig, es gab aber auch viele fromme und reiche Kaufleute und Ratsherren, die um ihr Seelenheil besorgt waren und gerne halfen, die Not Bedürftiger zu lindern. Bestes Beispiel für die mittel­alterliche Fürsorge ist das 1263 gegründete Heiligen-Geist-Hospital, das heute eines der ältesten Sozialeinrichtungen Europas ist. Auch die Stiftshöfe der Altstadt zeugen heute noch von der Fürsorge Lübecker Bürger, die die Witwen und Waisen von Seefahrern und Kaufleuten versorgt wissen wollten. Das berühmteste Wohnstift ist der Füchtingshof – gestiftet von dem Ratsherrn Johann Füchting, der 1636 ein Drittel seines Erbes „zum Nutzen und Bes­ten der Armen“ bestimmte. Aber nicht nur Wohltäter aus höheren Kreisen kümmerten sich um Bedürftige, auch Bruderschaften von Handwerkern und Seeleuten sorgten für in Not geratene Brüder und ihre Familien. So auch die Schiffergesellschaft zu Lübeck, die 1401 als St. Nicolaus-Bru­derschaft „Zu Hilfe und Trost der Lebenden und Toten und aller, die ihren ehrlichen Unterhalt in der Schifffahrt suchen“ gegründet wurde.

Koberg um 1890 © Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck

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Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden neben der sozialen Fürsorge zunehmend auch Kunst, Kultur, Bildung und Denkmalpflege durch Stiftungen, Schenkungen und Testamente gefördert. Es war gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts, als sich Lübecker Ärzte, Pastoren, Juristen und Lehrer, getrieben von ihrem Interesse am Austausch von Wissen und Literatur, zu privaten Treffen zusammenfanden. 1789 gründeten sie die “Gesellschaft zur Beförderung Gemeinnütziger Tätigkeit” – kurz die GEMEINNÜTZIGE. Sie engagiert sich bis heute für kulturelle und soziale Zwecke und fördert unter ihrem Dach 19 Einrichtungen, 38 Tochtergesellschaften und 33 Stiftungen – von der FamilienBildungsStätte über die Overbeck-Gesellschaft bis hin zur Musikschule und Knabenkantorei.

Seit 2004 ist die Gemeinnützige Sparkassenstiftung ein wichtiger Akteur und Förderer für soziales Engagement in Lübeck. Aber nicht nur die großen Stiftungen, auch die vielen kleinen, im Verborgenen wirkenden Vermächtnisse Lübecker Bürger sind heute ein großer Schatz und aus dem sozialen und kulturellen Leben Lübecks nicht mehr wegzudenken.

Historisches Ereignis:
1788

Bis 1789 Gründung der Gemeinnützigen

18 Ein Krönchen für Lübeck Ein echter Hanseat 20