85 Hört Ihr Leut´ und lasst Euch sagen...

…unsere Glock hat acht geschlagen! Wenn die Sonne langsam unterging und die vier Lübecker Stadttore am Abend verschlossen wurden, begann anno dazumal der Dienst des Nachtwächters.

Zeitraum: bis 1868
Wahrheitsgehalt:
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Zeitzeugen: Nachtwächterführungen

Seine Aufgabe war es, innerhalb der Stadtmauern für Ruhe und Ordnung zu sorgen und zu jeder vollen Stunde der schlafenden Stadt zu verkünden, wie spät es war. Ausgestattet mit einer Laterne, einer Lanze und einem Signalhorn lief er durch die dunklen Straße und prüfte, ob Fenster und Türen der Häuser verschlossen waren und sich kein Diebesgesindel in den engen Gassen herumtrieb. Er schickte Trunkenbolde vom Wirtshaus schnurstracks nach Hause und lieferte vermeintliche Übeltäter auf der Wache ab. Eine seiner wichtigsten Aufgaben war das Melden von Bränden, denn Feuer war eine ständige Gefahr in der eng bebauten Stadt, gab es doch in jedem bewohnten Haus eine Feuerstelle zum Kochen und offenes Licht. So trug er stets ein Signalhorn bei sich und alarmierte damit im Falle einer Gefahr lautstark die Bevölkerung. Die nächtliche Torsperre wurde in Lübeck 1864 endgültig aufgehoben und die Stadt wuchs über die Altstadtinsel hinaus. Die Nachtwächter waren noch bis 1868 im Einsatz, danach wurden sie durch einen Polizeidienst abgelöst.

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